Selbstporträt als Sammler

Wie man aus meiner einleitenden Anmerkung entnehmen kann, bin ich Zinnfigurensammler. Ich begann mit diesem Hobby, als ich als Achtjähriger die 30mm-Figuren meines Vaters von ihm geschenkt bekam. Seitdem haben mich die Figürchen nicht mehr losgelassen, was vielleicht auch damit zu tun hat, dass diese ersten Figürchen 1945 in Küstrin im Artilleriefeuer untergingen.

Als Halbwüchsiger nach dem Krieg, als es wieder Zinnfiguren in Packungen von Ochel zu kaufen gab, interessierte ich mich vor allem für Preußen und Österreicher des Siebenjährigen Krieges. Dann folgten Figuren der Napoleonischen Zeit, als ich die Figuren meines Bruders übernahm. Die ersten Blankfiguren, die ich besaß, war die Serie des Russlandfeldzugs 1812 von Scholtz. Als Erwachsener sammelte ich alles, was keine Uniform trug, von der Urgeschichte bis 1525. Ich hatte irgendwie eine Abneigung gegen Uniformierung.

Ich habe nicht nur Figuren gesammelt und bemalt, sondern habe später auch Gravurzeichnungen gemacht und auch selber graviert. Seit 1975 war mein Hauptinteresse die Welt der Römer, besonders in den Nordwestlichen Provinzen des Reichs mit Schwerpunkt auf dem Zivilleben.

Ich habe eine Anzahl von Dioramen gebaut, die hauptsächlich das tägliche Leben zeigen. Erst 2009 baute ich zwei Dioramen mit kriegerischen Ereignissen für eine Sonderausstellung im Rheinischen Landesmuseum zum 2000. Jubiläum des BELLUM VARIANUM (9 n. Chr.).

Jetzt, als alter Mann, interessiere ich mich noch immer für Flachfiguren, hauptsächlich der Antike und Vorgeschichte. Aber ich habe eine Anzahl Wargaming Figuren hinzugefügt, trotz meiner Abscheu gegenüber dem Krieg.

Dazu kam es, als ich vier Sammlerkollegen beim Spielen zusah. Das rief Erinnerungen wach an meine Kindheit und ihre Spiele mit meinen Flachfiguren. Als ich mich interessiert zeigte, luden mich die Zinnfigurenfreunde ein, als Fünfter zu ihnen zu stoßen. Seitdem habe ich viele Recherchen zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg angestellt und Figuren gesammelt und Zubehör gebastelt. Und Informationen mit meinen Spielfreunden ausgetauscht.

Das Gute war einerseits, dass wir unsere eigenen Regeln entwickeln und im Spiel erproben. Und andererseits, dass wir nicht gegeneinander spielen, sondern als „Rat der Kriegsgötter“ fungieren. Das gab viele Gelegenheit zum Diskutieren uns Austausch über Sichtweisen auf historische Gegebenheiten. Besonders unsere Debatten über die Reaktionen eines bestimmten Kommandeurtyps in einer konkreten Situation waren sehr interessant und den Horizont erweiternd, erforderten sie doch Kenntnisse in Psychologie und Mentalitäten von Menschen des 18. Jahrhunderts.

Jetzt, kurz vor dem Ende, ist es Zeit zum Innehalten und Zurückblicken. Dieser Einstellung verdankt diese Website ihre Entstehung.